Kennt ihr den Nummer-23-Effekt? Bestimmt. Jeder, der mit wenig Geld in einer Großstadt auf der Suche nach einer Wohnung ist, kennt den. Ihr habt auf eine Wohnungsanzeige angerufen. Plötzlich schlägt euer Herz schlägt höher: Hausnummer 23 in der Straße mit den schönen Altbauten und den netten Cafés. Da wolltest du schon immer wohnen. Du fährst hin. Du kommst dem Haus immer näher, ein Prachtbau neben dem anderen. Du bist hingerissen. Bis du vor Nummer 23 stehst. Es ist die Zahnlücke in der Straße, der untragbar hässliche Fünfzigerjahre Plattenbau.
Stefan und ich haben festgestellt, dass es den Nummer-23-Effekt auch bei Fernsehstudios gibt. Eigentlich denkt man bei Fernsehstudio automatisch an einen Glaspalast mit modernster Technik, rotem Teppich und hauseigener Afterwork-Lounge. Neulich waren Stefan und ich auf dem Weg zu einer Talksendung. In freudiger Erwartung von Schnittchen im Vorraum und Sektempfang mit dem Programmchef. Das Viertel, in dem sich der Fernsehsender befand, sah schon mal viel versprechend aus.
Ein Medienbau neben dem anderen. Spiegelverglasung, tolle Einfahrten, schicke Schlitten vor der Tür. Dann der Hof von Nummer 23: ein Bretterzaun, eine schimmelige Satellitenschüssel und eine Wellblechhütte. Uns war klar: Wir sind da. Statt Schnittchen Salzstangen. Statt Sekt lauwarmer Apfelsaft. So schmeckt der Erfolg.
