Hallo Welt. Heute kam ich ins Büro, und Anne hämmerte voller Inbrunst auf die Tastatur ein. Auf mein genuscheltes “Moin, moin” reagierte sie nicht. Macht nichts, kenn ich. Ich mir also erst mal einen Kaffee gezogen. Ich dachte mir, sie würde schon früh genug aus ihrer Hektik aufwachen. Auf uns warteten heute nämlich ein paar Telefoninterviews mit Zeitungsredaktionen.
Die erste Anruferin überfiel uns dann auch gleich mit einer Allgemeinwissensfrage: “Sie treten in Erfurt ja im Kaisersaal auf. Wissen Sie, warum der so heißt?”
Telefonpanik. Anne und ich sahen uns ratlos an.
“Kleinen Moment, wir müssen das gerade mal googlen.” Was Besseres fiel mir nicht ein. Und ich landete prompt auf der Wiki-Seite vom Kaisersaal Bamberg, ohne es zu merken. Aber ich hatte glücklicherweise eine Anne. Sie fand bei Wikipedia schnell den richtigen Fürstenclub und soufflierte mir: “Napoleon der Erste hat dort mit Zar Alex irgendeinen Wisch unterschrieben.”
Ich schickte direkt noch einen Witz hinterher, um die Situation zu entschärfen: “Ohne den Kaisersaal würden wir uns jetzt vielleicht gar nicht unterhalten.”
“Warum?”, fragte mein telefonisches Gegenüber.
“Na, da wurde doch vor über hundert Jahren das Telefon erfunden!”
Die junge Frau musste lachen.
Interviews geben hatte ich mir anders vorgestellt - eher so wie Tom Cruise: In einem Luxushotel hin und wieder ein paar Journalisten empfangen und sonst eine ruhige Kugel schieben. Der nächste Anrufer allerdings stellte sofort die nächste Fangfrage: “Was ist Ihnen denn zuletzt Doofes passiert?”
“Die Dame vor Ihnen wollte wissen, was sich im Kaisersaal zugetragen hat,” erklärte Anne treuherzig. “Das mussten wir googeln.” Sie überlegte einen Moment, dann fiel ihr ein, was sie heute Neues gelernt hatte. “Dabei kann man echt was lernen. Wussten Sie zum Beispiel, dass im Kaisersaal das Telefon erfunden wurde?” Und das meinte sie ernst, die Anne. Machts nichts, auch das kenne ich von ihr.
